
@ Die Friedenstaube
2025-03-26 06:56:05
**Autor:** **[Dr. Ulrike Guérot.](https://www.ulrike-guerot.de/ueber-mich/biografie)** *(Foto:* *[Manuela Haltiner](https://www.ulrike-guerot.de/mediathek/fotos)). Dieser Beitrag wurde mit dem **[Pareto-Client](https://pareto.space/read)** geschrieben. Sie finden alle Texte der Friedenstaube und weitere Texte zum Thema Frieden **[hier.](https://pareto.space/read?category=friedenstaube)***
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Ich bin 60 Jahre. Einer meiner Großväter, Wilhelm Hammelstein, liegt auf dem [Soldatenfriedhof in Riga](https://images.app.goo.gl/JzVgJaceYJrvyRLw8) begraben. Der andere, mütterlicherseits, Paul Janus, kam ohne Beine aus dem Krieg zurück, auch aus Russland. Ich kenne ihn nur mit Prothesen und Krücken. Er hat immer bei Wetterwechsel über Phantomschmerz geklagt und ist seines Lebens nicht mehr froh geworden. Den Krieg hat man ihm im Gesicht angesehen, auch wenn ich das als kleines Mädchen nicht verstanden habe.
### "Ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich gesehen habe"
Von den Russen hat er trotzdem nie schlecht geredet. Was er immer nur zu uns Enkelkindern gesagt war: \*„Ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich gesehen habe“. \* Wir haben es nicht verstanden, als 6- oder 8-Jährige, und haben gelacht. Manchmal haben wir ihm seine Krücken weggenommen, die immer an den Ohrensessel gelehnt waren, dann konnte Opa Paul nicht aufstehen und ist wütend geworden.

Meine Mutter, Helga Hammelstein, ist im Mai 1939 gleichsam in den Krieg hineingeboren worden, in Schlesien. 1945 gab es für sie, wie für viele, Flucht und Vertreibung. Ob sie und ihre zwei Schwestern von den Russen vergewaltigt wurden – wie damals so viele – kann ich nicht sagen. Diese Themen waren bei uns tabuisiert. Was ich sagen kann, ist, dass meine Mutter als Flüchtlings- und Kriegskind vom Krieg hochgradig traumatisiert war – und als Kriegsenkelin war oder bin ich es wohl auch noch. Eigentlich merke ich das erst heute so richtig, wo wieder Krieg auf dem europäischen Kontinent ist und Europa auch in den Krieg ziehen, wo es kriegstüchtig gemacht werden soll.
Vielleicht habe ich mich aufgrund dieser Familiengeschichte immer so für Europa, für die europäische Integration interessiert, für die EU, die einmal als Friedensprojekt geplant war. Ich habe Zeit meines Lebens, seit nunmehr 30 Jahren, in verschiedenen Positionen, als Referentin im Deutschen Bundestag, in Think Tanks oder an Universitäten akademisch, intellektuell, publizistisch und künstlerisch zum Thema Europa gearbeitet.
1989 habe ich einen Franzosen geheiratet, ich hatte mich beim Studium in Paris verliebt und in den 1990-Jahren in Paris zwei Söhne bekommen. Auch in der französischen Familie gab es bittere Kriegserfahrungen: der Mann der Oma meines damaligen Mannes war 6 Jahre in deutscher Kriegsgefangenschaft. *„Pourquoi tu dois marier une Allemande?“* *„Warum musst du eine Deutsche heiraten?“,* wurde mein damaliger Mann noch gefragt. Das Misstrauen mir gegenüber wurde erst ausgeräumt, als wir ihr 1991 den kleinen Felix, unseren erstgeborenen Sohn, in den Schoß gelegt haben.
### Das europäische Friedensprojekt ist gescheitert
Das europäische Einheits- und Friedensprojekt war damals, nach dem Mauerfall, in einer unbeschreiblichen Aufbruchstimmung, die sich heute niemand mehr vorstellen kann: Der ganze Kontinent in fröhlicher Stimmung - *insieme, gemeinsam, together, ensemble* – und wollte politisch zusammenwachsen. Heute ist es gescheitert und ich fasse es nicht! Das Kriegsgeheul in ganz Europa macht mich nachgerade verrückt.
Darum habe ich ein europäisches Friedensprojekt ins Leben gerufen: **The[European Peace Project.](https://europeanpeaceproject.eu/)** Am Europatag, den 9. Mai, um 17 Uhr, wollen wir in ganz Europa in allen europäischen und auf dem ganzen europäischen Kontinent als europäische Bürger den Frieden ausrufen! Ich würde mich freuen, wenn viele mitmachen!
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### Wo bleibt ein deutsch-russisches Jugendwerk?
Mein Lieblingsbuch zu Europa ist [Laurent Gaudet, Nous, L’Europe, banquet des peuples](https://www.ebay.de/itm/196814550786?chn=ps&_ul=DE&_trkparms=ispr=1\&amdata=enc:1456-zmCkTIilINXg06WrJA11\&norover=1\&mkevt=1\&mkrid=707-134425-41852-0\&mkcid=2\&mkscid=101\&itemid=196814550786\&targetid=2352380670613\&device=c\&mktype=pla\&googleloc=9043099\&poi=\&campaignid=21664105386\&mkgroupid=163858055661\&rlsatarget=pla-2352380670613\&abcId=10011854\&merchantid=137586159\&gad_source=1\&gbraid=0AAAAAD_G4xadgSaZ93fvbYkqxT8abRAnt\&gclid=Cj0KCQjwv_m-BhC4ARIsAIqNeBstESl5uoNmqFB4w3UdOT8LQNEdIINq1qeLhOMh7VXSFYLISYZVJQoaAonWEALw_wcB)*. „Wir, Europa! Ein Banquet der Völker“* Es ist ein großartiges Gedicht, etwa wie die Ilias von Homer. Es beschreibt die letzten einhundert Jahre europäische Geschichte, die ganzen Krieg und Revolutionen. Und es beschreibt doch, was uns als Europäer eint. Darin findet sich der – für mich wunderschöne! - Satz: *„Ce que nous partageons, c’est ce que nous étions tous bourraux et victime.“* *„Was wir als Europäer teilen ist, dass wir alle zugleich Opfer und Täter waren“*.
Und doch haben wir es geschafft, die „Erbfeindschaft“ zu beenden und uns auszusöhnen, zum Beispiel die Deutschen und Franzosen, über ein [deutsch-französisches Jugendwerk](https://www.dfjw.org), das 1963 gegründet wurde. So ein Jugendwerk wünsche ich mir auch heute zwischen Europa und Russland!
Das Epos von Laurent Gaudet ist in einem Theaterstück von dem französischen Regisseur Roland Auzet [auf die Bühne gebracht worden](https://www.youtube.com/watch?v=oORSX-G-SDo). In dem 40-köpfigen Ensemble sind verschiedene Nationalitäten aus ganz Europa: das Stück ist fantastisch! Ich selber habe es auf dem Theaterfestival in Avignon 2019 sehen dürfen!
Ich wünsche mir, dass wir statt jetzt für Milliarden überall in Europa Waffen zu kaufen, das Geld dafür auftreiben, dieses Theaterstück in jede europäische Stadt zu bringen: wenn das gelänge, hätten wohl alle verstanden, was es heißt, Europäer zu sein: nämlich Frieden zu machen!
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*Ulrike Guérot, Jg. 1964, ist europäische Professorin, Publizistin und Bestsellerautorin. Seit rund 30 Jahren beschäftigt sie sich in europäischen Think Tanks und Universitäten in Paris, Brüssel, London, Washington, New York, Wien und Berlin mit Fragen der europäischen Demokratie, sowie mit der Rolle Europas in der Welt. Ulrike Guérot ist seit März 2014 Gründerin und Direktorin des European Democracy Labs, e.V.,Berlin und initiierte im März 2023 das European Citizens Radio, das auf Spotify zu finden ist. Zuletzt erschien von ihr* *["Über Halford J. Mackinders Heartland-Theorie, Der geografische Drehpunkt der Geschichte"](https://www.buchkomplizen.de/buecher/politik/ueber-halford-j-mackinders-heartland-theorie.html?listtype=search\&searchparam=heartland), Westend, 2024). Mehr Infos zur Autorin* *[hier.](https://www.ulrike-guerot.de/ueber-mich/biografie)*
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