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@ Andreas’ Denk Bar
2025-04-03 07:42:25
**Spanien bleibt einer der Vorreiter im europäischen Prozess der totalen Überwachung** per Digitalisierung. Seit Mittwoch ist dort der digitale Personalausweis verfügbar. Dabei handelt es sich um eine Regierungs-[App](https://play.google.com/store/apps/details?id=es.gob.interior.policia.midni), die auf dem Smartphone installiert werden muss und in den Stores von Google und Apple zu finden ist. Per Dekret von Regierungschef Pedro Sánchez und Zustimmung des Ministerrats ist diese Maßnahme jetzt [in Kraft](https://archive.is/89H4i) getreten.
**Mit den üblichen Argumenten der Vereinfachung,** des Komforts, der Effizienz und der Sicherheit preist das Innenministerium die «Innovation» an. Auch die Beteuerung, dass die digitale Variante parallel zum physischen Ausweis existieren wird und diesen nicht ersetzen soll, fehlt nicht. Während der ersten zwölf Monate wird «der Neue» noch nicht für alle Anwendungsfälle gültig sein, ab 2026 aber schon.
**Dass die ganze Sache auch «Risiken und Nebenwirkungen» haben könnte,** wird in den Mainstream-Medien eher selten thematisiert. Bestenfalls wird der Aspekt der Datensicherheit angesprochen, allerdings in der Regel direkt mit dem Regierungsvokabular von den «maximalen Sicherheitsgarantien» abgehandelt. Dennoch gibt es einige weitere Aspekte, die Bürger mit etwas Sinn für Privatsphäre bedenken sollten.
**Um sich die digitale Version des nationalen Ausweises besorgen zu können** (eine App mit dem Namen MiDNI), muss man sich vorab online [registrieren](https://www.midni.gob.es). Dabei wird die Identität des Bürgers mit seiner mobilen Telefonnummer verknüpft. Diese obligatorische fixe Verdrahtung kennen wir von diversen anderen Apps und Diensten. Gleichzeitig ist das die Basis für eine perfekte Lokalisierbarkeit der Person.
**Für jeden Vorgang der Identifikation in der Praxis wird später** «eine Verbindung zu den Servern der Bundespolizei aufgebaut». Die Daten des Individuums werden «in Echtzeit» verifiziert und im Erfolgsfall von der Polizei signiert zurückgegeben. Das Ergebnis ist ein QR-Code mit zeitlich begrenzter Gültigkeit, der an Dritte weitergegeben werden kann.
**Bei derartigen Szenarien sträuben sich einem halbwegs kritischen Staatsbürger die Nackenhaare.** Allein diese minimale Funktionsbeschreibung lässt die totale Überwachung erkennen, die damit ermöglicht wird. Jede Benutzung des Ausweises wird künftig registriert, hinterlässt also Spuren. Und was ist, wenn die Server der Polizei einmal kein grünes Licht geben? Das wäre spätestens dann ein Problem, wenn der digitale doch irgendwann der einzig gültige Ausweis ist: Dann haben wir den abschaltbaren Bürger.
**Dieser neue Vorstoß der Regierung von Pedro Sánchez ist ein weiterer Schritt** in Richtung der [«totalen Digitalisierung»](https://archive.is/Gwc4B) des Landes, wie diese Politik in manchen Medien – nicht einmal kritisch, sondern sehr naiv – genannt wird. Ebenso verharmlosend wird auch erwähnt, dass sich das spanische Projekt des digitalen Ausweises nahtlos in die Initiativen der EU zu einer digitalen Identität für alle Bürger sowie des digitalen Euro einreiht.
**In Zukunft könnte der neue Ausweis** «auch in andere staatliche und private digitale Plattformen integriert werden», wie das Medienportal *Cope* ganz richtig bemerkt. Das ist die Perspektive.
*\[Titelbild:* *[Pixabay](https://pixabay.com/de/photos/liebe-love-herz-rose-bindung-3141742/)]*
*Dazu passend:*
[Nur Abschied vom Alleinfahren? Monströse spanische Überwachungsprojekte gemäß EU-Norm](https://pareto.space/a/naddr1qqxnzde5xg6r2wphxscryvpjqgs2jhrzgwzvvzgz42kfmef2kr7w8x573k4r62c5ydjh8gyn6dz4ytqrqsqqqa28fq5d4m)
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Dieser Beitrag wurde mit dem [Pareto-Client](https://pareto.space/read) geschrieben und ist zuerst auf ***[Transition News](https://transition-news.org/spanien-erneut-europaisches-versuchslabor-der-digitale-ausweis-ist-da)*** erschienen.